Eine finnische Frau als Pionierin in der Bildhauerkunst

Essi Renvall: Liisa, 1969. Bronze, Polychromie. Privatsammlung. Bild: Jari Kuusenaho

Das Bildhauen wurde als männlicher Kunstbereich gehalten und es ist auch wahr, dass in Finnland, wie auch anderswo auf der Welt, die Skulpurenhauerei eine Männerdomäne gewesen ist – auf jeden Fall in der Moderne.

Die Bildhauerei ist als die anstrengenste und vielleicht auch die schmutzigste Kunstform gesehen, wenn sie mit der Malerei vergleicht wird, in der der Anteil der Frauen in Finnland im internationalen Vergleich bemerkenswert und aussergewöhnlich hoch ist.

So gesehen war Essi Renvall (1911- 1979) die erste weibliche Bildhauerin, die von ihre Kunst leben konnte. Das kam bestimmt dadurch, dass sie auf Bestellung anfertigte, woraus sie Aufträge und damit auch ihren Lohn bekam. Im Jahr 1942 bestellte Yrjö A. Jäntti der Werner Söderström Oy das Abbild von 30 Schriftstellern.

 

Essi Renvall bearbeitet die Skulptur der Schriftstellerin Helvi Hämäläinenim Jahr 1942. (Aus der Archivsammlung der Nationalgalerie, unbekannter Photograph)

Die Museumskuratorin Virpi Nikkari analysiert die Natur Renvalls Kunst passend: ”Renvall konnte zudem äusseren Aussehen, die Personalität, die Laune und den Stand in der Gesellschaft in die Skulptur einbringen. Man kennt sie immer noch für die zarten Kinder- und eleganten Frauenbilder, aber Renvall bildete genauso politische, Kultur-, Verkehr- und für die Kunst wichtige Beeinflusser. Ihr Bildhauerstil wechselte von klassischer Einheit über den malerischen Stil des Expressionismus zum unverzierten Realismus. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere entwickelte Renvall originelle, dekorative und farbige Skulpturen.”

Im Jahr 1951 reiste Essi Renvall nach Ägypten und begeisterte sich für den Farbgebrauch in der Bildhauerei, besser gesagt für Polychromie. Das verwirklichte sie mit der Malerei, der Patina und Blattgold. Sie fügte den Skulpturen auch Perlen, Ketten und Metal hinzu, was die Dekorativität steigerte.

Die Neuerungen von Essi Renvall können nicht direkt als Bemühung zum Modernismus gesehen werden. Vielmehr war es ein Effekt, mit dem sie die Eintönigkeit der finnischen Bildhauerei brechen wollte. In diesem Fall kann sie als Wegbereiterin gehalten werden.

Der Modernismus von Künstlerinnen wurde aber erst geboren, als Künstlerinnen wie z.B. Eila Hiltunen, Laila Pullinen und Nina Terno den Weg freiräumten für den Höhepunkt der Bildhauerkunst 1950- 1960. Trotzdem wird nicht bezweifelt, dass Essi Renvall eine bemerkenswerte Rolle in diesem Prozess gespielt hat.

Pekka Helin

Essi Renvall: Blauhaarige Frau, Selbstbildnis, 1957- 1966. Patiniertes Bronze. Kunsthaus Kirpilä. Bild: Rauno Träskelin

Kommentointi on suljettu.

css.php