Weniger Rentiere auf dem Huippuvuori

Auch in Finnland hat sich die Beschaffung von Nahrung für die Rentiere erschwert, weil im Winter oft an Stelle von Schnee Wasser vom Himmel fällt, was gefriert und sich als harte Schicht über die Flechte legt. Bild: Sauli Antikainen/Yle

  • Auch in Finnland gibt es das Phänomen auf Grund der Erderwärmung, aber gegen das Hungern der Rentiere wurde durch Zusatzfutter vorgebeugt.

Ilkka Timonen

Auf dem norwegischen Huippuvuori (Spitzenberg) wurde das Eingehen von Rentieren auf Grund der veränderten Umweltbedingungen beobachtet. Auch im finnischen Lappi wirkt die Erderwärmung gleichermassen, aber es wird durch Zufütterung das Verhungern der Tiere verhindert.

Das Durchschnittsgewicht der Rentiere auf dem Huippuvuori ist um 12% gesunken- von 55 Kilogramm auf 48 Kilo- in den 16 Jahren, in denen die Untersuchungen gemacht wurden. Diese Entwicklung hat sich auch nicht dadurch verändert, dass die Rentiere im Sommer mehr zu fressen haben als vorher.

– Wärmere Sommer sind gut für die Rentiere, aber dafür wurde der Winter umso schwerer. – sagte der Professor und Leiter der Untersuchungen Steve Albon vom schottischen James Huttson– Institut, dem Guardian zufolge. Der Schneefall wurde von der Erderwärmung beeinflusst und es kommt anstelle Regen vom Himmel, der dann gefriert und das Scharren nach Flechten deutlich komplizierter macht. Es ist normal für die Rentiere Löcher in den Schnee zu scharren und so an die Flechten zu kommen. Die Tiere hungern und daraus folgt, dass Rentierweibchen oft verkümmerte oder nicht voll ausgebildete Jungen gebären. Die Temperatur in der Arktik steigt schneller als anderswo auf der Welt. Die Sommer auf Huippuvuori haben sich im Durchschnitt um 1,5 Grad Celsius erwärmt. In der Sommerzeit bekommen die Rentiere reichlich zu fressen, was daran gesehen werden kann, dass die Rentierweibchen schon im Herbst, also früher als zuvor, trächtig werden. Der Huippuvuori ist unter einer Decke aus Eis oder Schnee für acht Monate. Gras wächst dort nur von Juni bis Juli. Die Untersuchungen begannen in den 1990er Jahren mit 800 Tieren. Jetzt sind 1400 Rentiere dabei.

– Ich glaube nicht an das Aussterben der Rentiere, da sie so weit verbreitet sind, aber der Weihnachtsmann könnte irgendwas anderes zum Ziehen des mit Geschenken vollgepackten Schlittens gebrauchen- witzelt Albon zufolge des Telegraphen.

Auch im finnischen Norden wurden die Beeinflussungen von milden Wintern auf die Ernährung der Rentiere bemerkt.

– Wir haben genau die gleiche Situation – sagt die Vorsitzende des Paliskunta Verbands (Rentierweiden- und Pflegeverband) Anne Ollila. – Die Winter haben sich so verändert, dass die Rentiere nicht mehr durch die Eisschicht scharren können. Was vorher ein aussergewöhnlicher Winter war, ist jetzt Normalität. Die Rentiere bei uns müssen aber meistens nicht hungern, weil wir im Winter mit Zusatzfutter zufüttern. Einen Gewichtsverlust konnten wir nicht feststellen, weil die Tiere mit Hilfe der Menschen in guter Verfassung bleiben- sagt Ollila.

In den Rentiergegenden werden auch weitere von der Erderwärmung beeinflussten Veränderungen streng beobachtet. Die sommerliche Eutrophierung hat mit sich gebracht, dass die Nahrungslage der Tiere besser als früher ist. Auf dem Huippuvuori wurde bis jetzt der Einfluss der Erderwärmung auf die auf einer nahe gelegenen Insel lebenden Eisbären untersucht. Letzte Woche warnten Experten davor, dass ein Drittel der weltweiten Populationen der Eisbären in den nächsten 40 Jahren auf Grund der Eisschmelze in der Arktik verschwinden könnte.

Eisbären sind bei  der Jagd nach Nahrung auf das Eismeer angewiesen, da sie darauf vor selbstgemachten Eislöchern auf Beute lauern, die dort zum Atmen aufsteigt.

Die Anzahl der Eisfüchse auf dem Huippuvuori ist leicht angestiegen, weil sie in einem schwierigen Eiswinter die verhungerten Körper der Rentiere fressen können. Die Anzahl der Rentiere auf dem Huippuvuori ist in den letzten 20 Jahren gestiegen. Was aber heisst, dass es zwischen ihnen einen grösseren Kapf um Nahrung gibt.

Bild: Sauli Antikainen/Yle

 

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