”Wenn man einen rettet, sind gleich hundert mehr da.”

Die Hunde von Donna Saarinen Aava, Eewi, Bea und Coco sind alle aus Spanien nach Finnland gekommen. Die Hunde sind für die Jagd eingesetzte Galgos.

Die Hunde von Donna Saarinen Aava, Eewi, Bea und Coco sind alle aus Spanien nach Finnland gekommen. Die Hunde sind für die Jagd eingesetzte Galgos. Bild: Jari Laurikko

Annamari Nurminen

  • Bea, Coco, Eewi und Aava sind spanische Windhunde, Galgos, die sich an einem ruhigen Leben und langen Spaziergängen erfreuen. Donna Saarinen rettete die Fundhunde aus einem spanischen Tierheim.

Vor einem Reihenhaus, unter den Treppen liegen drei Hunde. In ihren Augen ist Scheu zu sehen. – Diese Mädchen kommen dich nicht begrüssen, weil sie zu sehr angst haben.- sagt die Besitzerin der Hunde Donna Saarinen.

Die schreckhaften Hunde sind ein Teil des Rudels von spanischen Windhunden, Galgos, die in Turku bei Saarinen wohnen. Die Hunde dieser Rasse sind in ihrem Heimatland Spanien sehr schlecht behandelte Jagdhunde. Die Galgos Saarinens sind aus einem spanischen Tierheim nach Finnland gebracht worden. In den ersten Wochen mussten die Hunde nach draussen getragen werden um ihr Geschäft zu verrichten, weil sie sich sonst nicht getraut hätten. – Wir sind schon vorran gekommen, aber mutig sind sie immer noch nicht.-

Donna Saarinen gehört zu einem anwachsenden Teil an Finnen, die herrenlosen und sehr erfahrenen Fundhunde aus dem Ausland ein Zuhause geben. Den ersten geretteten Hund nahm Saarinen vor neun Jahren auf. Der erste spanische Windhund kam vor sieben Jahren. Jetzt hat sie fünf von ihnen.

Saarinen hat ihre Hunde über die auf Windhunde spezialisierte Organisation Galgos del Fénix e.V. bekommen. Das ist eine der vielen Organisationen, die spanische Hunde ins Land bringt. Alles in allem wurden dieses Jahr schon über 600 Hunde aus Spanien nach Finnland gebracht. Neben Spanien ist auch Rumänien ein zweites grosses Importland. Von dort wurden dieses Jahr fast 500 Hunde gebracht, erzählte die Oberaufseherin für das Wohlergehen der Hunde Virva Valle von Evira. – Früher wurden auch noch mehr Hunde aus Lettland und Ungarn gerettet.- Die Anzahl von Hunden aus dem Ausland haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Noch im Jahr 2012 wurden gerade einmal 750 Hunde nach Finnland gebracht. In den Jahren 2013- 2015 stieg die Importzahl auf ungefähr 2000 Hunde. Die grössten Importländer ausserhalb der EU sind Russland und Serbien.

Die meisten geretteten Hunde kommen über Hilfsorganisationen nach Finnland. Es gibt viele von ihnen hier. Einige dieser bringen fast jede Woche Hunde. Die Organisationen müssen bei Evira registriert werden. Das Registrieren ist Pflicht, denn es soll kein Profit aus der Rettung geschlagen werden. Auch private Importeure müssen sich registrieren, wenn sie fünf oder mehr Hunde bringen. Der finnische Tierschutzverband verfolgt das geschehen genau, weil auch die geretteten Hunde ihre Gefahren mit sich bringen. Der Verband bringt selbst keine Hunde ins Land, aber sie werden von der Bevölkerung um Hilfe bei dem Import gebeten. – Ich empfehle in keinem Fall einen Fundhund selbst nach Finnland zu bringen. Es ist besser mit einer Organisation zusammen zu arbeiten, weil die über die Importbestimmungen und Regeln und auch über die Bestimmunen im Herkunftsland bescheid wissen.- sagt die Verbandsvorsitzende Maria Lindqvist. Auch Impfungen müssen gegeben, Parasitenbefall behandelt und eine Allgemeinuntersuchung muss im Herkunftsland gemacht werden. Eine verantwortungvoll arbeitende Organisation kümmert sich auch um die Situation im Herkunftsland. – Der beste Tierschutz in den meisten Ländern ist es, die Hunde zu Sterilisieren und die Menschen mit Schulungen aufzuklären.- In den Herkunftsländern selbst muss auch entschieden werden, ob der Hund überhaupt als Haushund taugt. – Nicht alle herrenlosen und wild lebenden Hunde können durch das Bringen nach Finnland gerettet werden.- betont Lindqvist. Süsse Bilder im Internet und berührende Geschichten von geretteten Hunden lässt die Menschen emotional reagieren. In der Hunderettung wird oft mit den Gefühlen vorran gegangen. – Nur Mitleid ist keine gute Grundlage für den Hundebesitz, nicht bei einem aus Finnland oder aus dem Ausland. Die Organisationen haben eine grosse Verantwortung  darin, das neue Zuhause sorgfältig auszuwählen und die neuen Besitzer über alles was gerettete Hunde betrifft aufzuklären. Es ist auch für die Hunde nicht gut, wenn sie nach einer langen Reise gleich wieder die Familie wechseln müssen.- sagt Maria Lindqvist.

Leider ist das Moralverständnis nicht aller Organisationen gleich hoch. Maria Lindqvist schlägt vor, dass alle Rettungsorganisationen zusammen an ethischen Richtlinien arbeiten, die alle befolgen. Ein Zertifikat würde den neuen Hundebesitzern versichern, dass es eine vertrauenswürdige Organisation ist.

Auch die mit geretteten Hunden lebende Donna Saarinen beführwortet auf keinen Fall das Aufnehmen von geretteten Hunden für jeden. – Jeder der einen Fundhund aufnimmt wird an seine Grenzen kommen und man muss engagiert bleiben. Viele dieser Hunde brauchen langwierige und zähe Erziehung und Eingewöhnung. Der Stress für einen Hund im neuen Zuhause kann bis zu einem halben Jahr dauern und das Abgewöhnen von Unarten bis zu einem Jahr. Nicht alle Hunde haben Erfahrungen damit in einem Haus zu leben. Aus Rumänien werden zum Grossteil Strassenhunde gebracht, die also einen ganz neuen Lernprozess vor sich haben. Donna Saarinen hat mit ihrer langen Erfahrung auch stark traumatisierte Hunde aufgenommen. Die spanische Windhündin Bea ist eine davon. Beas Genesung hat zwei Jahre gebraucht. Jetzt ist sie schon eine ganz andere als am Anfang , aber da hat auch das Rudel mitgeholfen,- sagt Saarinen.

Warum sieht sich Donna Saarinen nicht als Weltretterin, auch wenn sich den geretteten Hunden annimmt. – Hinter alle dem steckt die Liebe zu dieser Rasse. Zur gleichen Zeit konnte ich dann Hunden helfen, die in einer schlimmen Lebenssituation steckten.-

Sie sagt auch, dass man verstehen muss, dass eine gute Einstellung nicht reicht, um alle Hunde zu retten.  – Wenn man einen rettet, sind gleich hundert mehr da. Darum ist es das Beste für die in schlimmen Umständen lebenden Hunde vor Ort zu helfen.-

 

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